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Montag, 11. Juni 2007

Treszn-Curry

Ja, das "Treszn" existiert immernoch und auch die täglich wechselnden "Today's Asia" finden sich nach wie vor auf der Karte.
Sehr schön, ist es doch mal wieder Zeit für einen Food-Test, nämlich ein "Thailändisches Erdnußcurry mit Streifen von der Schweinelende, Bok-Choi, Pilzen, Gemüse, Kokosmilch und Basmatireis", das für 9.50 EUR dem willigen Konsumenten gehört.

Die Bestellung gestaltete sich allerdings etwas tricky, da die diensthabende Bedienung an diesem Abend und diesem Tisch offenbar etwas überfordert war; die Zeitspanne zwischen dem "Ein Weißbier und das Today's Asia" des Kollegen A am Tisch und meinem "Ein Helles und das Today's Asia" hat anscheinend ausgereicht, um den flüchtigen Kurzzeitspeicher der Bedienung auf Masse zu legen und somit zu löschen - sie wußte nicht mehr, was der Kollege A haben wollte. Und angesichts der bis dato noch nicht angekommenen Bestellung der Freundin von Kollege B begann ich mich dann schon zu fragen, was ich wohl nun bekommen würde, und vor allem, *ob*. Denn ich hatte natürlich einen Sonderwunsch : das Essen sollte extra scharf sein!
Ich wies die Bedienung natürlich eindringlich darauf hin, daß ich mit "scharf" auch "scharf" meine und keine Turnbeutelvergesser- und Vorwärtseinparker-Kost erwarte, wie sie meine Oma im Altenheim eingeflößt bekommt. Oh yes! Um eine Analogie für unsere Heavy-Metal-Freunde zu gebrauchen : asiatisches und indisches darf gerne TRUE sein, der Schärfegrad sollte korrespondierend zum Schallpegel eines Motörhead-Konzerts sein, das muß rocken auf der Zunge, da muß Headbanging im Magen sein und überhaupt, wem's zu scharf ist - whimps and posers, leave the hall! Auch wenn ich nicht weiß, ob in der Kantine von Manowar auch so scharf gegessen wird und sich Joey DeMaio vor dem Auftritt Chilis in die Lederuniform packt oder doch lieber gedünstete Scholle mit Weißwein verspeist, und ich auch nicht weiß, was das jetzt eigentlich mit diesem Erdnußcurry hier zu tun hat - ich mag's heiß, auch wenn es bei manchen Gerichten vielleicht für den einen oder anderen eher unpassend erscheinen mag, aber wie gesagt, "whimps and posers..."... :-)

Die Kellnerin guckte etwas irritiert (gut, das bin ich mittlerweile gewohnt) und verzog sich mit der Aussage "Mal sehen, was ich machen kann..." in Richtung Küche. Gut, immernoch besser als "Jaja" oder "Hamma ned!" war die Aussage ja schonmal, also verharrte ich einfach mal in gespannter Erwartung auf das Essen.

Das Tablett wurde dann auch nicht allzulange Zeit später serviert und stand nun vor mir auf dem Tisch. Aha, sah ja nicht schlecht aus - ein Teller mit einer relativ großzügigen Ansammlung von diversen Fleisch- und Gemüsesorten, die in einer curryfarbenen Sauce schwammen, das ganze garniert mit grünem Koriander und einem Blatt einer mir unbekannten Pflanze und serviert mit dem obligatorischen Haufen Basmati-Reis.

Und - JAA! Das hat doch Potential! Anscheinend hat die Kellnerin dem Küchenpersonal klargemacht, daß das Essen TRUE sein soll (okay, dieses Vokabular hat sie höchstwahrscheinlich nicht benutzt, weil das im Zusammenhang mit Essen vermutlich auch kein Schwein tut...außer mir jetzt mal eben ausnahmsweise für diesen Bericht... :-)) - neben dem Tablett mit Erdnußcurry und Reishalbsphäre landete ein kleineres Tablett mit drei verheißungsvoll aussehenden Schälchen auf dem Tisch. Im einen fand sich einige kleingeschnittene frische Chilis, im nächsten eine Chilipaste (vermutlich Sambal Oelek) und im dritten eine süßsaure Universalsauce, die allerdings auf der Schärfeskala im "nicht meßbar"-Bereich rangierte. Das ist durchaus ein guter Service des Tresznjewski, schließlich ist das gratis und ohne zu maulen erfüllter Extrawunsch, und für einen deutschen Dienstleistungsbetrieb ist das schon einigermaßen beachtlich - also auf zum Geschmackstest.

Zuerst mal der Biß in die Botanik - mhm...keine Ahnung, wo dieses grüne Blatt herkommt, schmeckte aber nicht schlecht.
Gut, dann mal der Griff zur Gabel (auch wenn es mit Stäbchen stilechter gewesen wäre, aber zwischen der Absicht und der Realisierung steht da bislang noch das Können) und das eigentliche Curry probiert. Hmm! Lecker, das Schweinefleisch hat Biß, ist aber nicht zäh. Die Pilze, der Bok-Choi (Chinesischer Weißkohl) und das sonstige Gemüse waren auch al dente und schmeckten danach, wonach sie schmecken sollten. Der Staudensellerie war zwar auch gut, aber da ich von selbigem kein großer Fan bin, war mir das relativ egal. Die Sauce schmeckte leicht nach Kokosmilch, allerdings nicht zu penetrant - gab zusammen mit dem Curry, dem leichten Erdnußgeschmack und den restlichen Gewürzen eine gute Figur ab.

Soweit so gut, nun hatte ich von allem mal etwas im Auslieferungszustand probiert. Geschmacklich prima, aber irgendwie war da ein Punkt auf der geistigen Checkliste noch nicht abgehakt...ja, richtig, ich hatte das Zeug doch explizit SCHARF bestellt?! TRUE eben! Allerdings hätte das, was ich bis dato probiert habe, auf den Schärfeindex bezogen bequem als Babynahrung fungieren können - die Hitzerezeptoren auf der Zunge waren schon längst in die Kältestarre gefallen, das war doch nicht True, ich mußte an einen Heavy-Metal-Anhänger denken, der headbangend und dann mit zunehmend ratlosem Gesichtsausdruck vor Omas dudeldem Kofferradio steht (auch wenn das vollkommener Blödsinn ist und mir dieses dusselige Bild erst während des Schreibens dieses Berichts eingefallen ist).
Aber gut, wofür stand denn da das Extra-Tablett mit den Chili-Schälchen - mit wenigen Handgriffen waren die frischen Chilis und das Sambal Oelek in dem Erdnußcurry verschwunden und das ganze gut durchgerührt. Die Sauce bekam eine deutliche Farbabweichung ins rötliche.

Nach ca. 2 Minuten probierte ich das aufgemotzte Curry - ah ja, jetzt hatte das ganze schon mal etwas mehr Bums, war leicht scharf und eigentlich für ein solches Gericht in Ordnung, das chilitechnisch gesehen leider ein systemimmanentes Problem hat : die Kokosmilch wäscht durch ihren Fettgehalt einiges von der Schärfe sofort wieder weg, so daß man schon deutlich mehr Chilis hätte verwenden müssen, oder zu Schärfe-Doping wie Vicious Vampire oder dgl. hätte greifen müssen, aber okay - das Tresznjewski ist kein Indisches Restaurant, das dem Chili-Aficionado auch schonmal getrocknete Höllen-Chilis in Öl auf den Tisch stellt, also geht das schon in Ordnung - für die meisten Treszn-Gäste wäre das Gericht vermutlich auch schon im Ausgangszustand scharf genug gewesen und sie wären bei der "True"-Version mit Beimischung von zahlreichen Habaneros oder ein paar Spritzern Vicious-Vampire-Sauce vermutlich spontan ins Koma gefallen.

Die Menge war anständig, zusammen mit dem Reis war man hinterher doch ziemlich satt; einzig die Temperatur des Currys hätte ruhig etwas höher liegen dürfen, was dem Geschmack aber keinen Abbruch tat - es schmeckte trotzdem lecker. Der Preis geht mit 9,50 EUR auch in Ordnung (jedenfalls für das Münchner Preisniveau), es sollen ja auch ordentliche und möglichst frische Zutaten verarbeitet werden und nicht die Rückstände aus dem Grobrechen der städtischen Kläranlage.

Fazit : Prima Essen, an dem nichts auszusetzen war; Bonuspunkt für den Service hinsichtlich des Chili-Tabletts, Maluspunkt für die etwas vergeßliche Bedienung. Im "Treszn" kann man nach sich nach wie vor nicht nur die Birne zuschütten, sondern auch gut essen. Auch wenn es nicht immer richtig TRUE ist. ;-)
Shop : Brasserie Tresznjewksi - Theresienstraße 72
WWW : http://www.tresznjewski.de/
Location : Google Maps
Datum : 31.05.07 | 22:00 Uhr
Produkt : Thailändisches Erdnußcurry mit Streifen von der Schweinelende, Bok-Choi, Pilzen, Gemüse, Kokosmilch und Basmatireis; 9,50 EUR
Rating [0..10]
Qualität : 9
Ladenlokal : 9
Service : 8
Preis/Leistung : 8
GESAMTWERTUNG : 8.5

Freitag, 26. Januar 2007

Tresznjewski, die 2te - Today's Asia

So, und damit die untenstehende Treszn-Nudelsuppe nicht so alleine in der Gegend rumsteht, gibt's hier noch einen Nachtrag zu einem Gericht, das sich gestern ebenfalls auf der Tageskarte fand, den schönen Titel "Today's Asia : Putenbruststreifen mit knackigem Gemüse, Koriander, Zitronengras in Austernsauce, dazu gedämpften Reis" trug und 9,80 Mäuse kosten sollte.

Auch wenn man vielleicht nicht vermuten möchte, das man im "Treszn" gut essen kann - man kann es trotzdem, und da ich das weiß, habe ich gestern gleich mal das als "Today's Asia" auf der Karte bezeichnete Gericht bestellt.
Auf den Tisch kamen dann nach nicht allzulanger Wartezeit zwei Teller, einer mit einem halbsphärischen Basmatireis-Haufen, der andere gut gefüllt mit einer Menge Putenfleisch, viel Gemüse, das Ganze in einer suppenartigen Sauce und mit gehacktem grünen Koriander oben drauf. Ah ja, ist immerhin schon mal das, was auf der Speisekarte versprochen wurde. Schreiten wir zur Tat und probieren das schon mal lecker aussehende und riechende Etwas auf dem Teller mal.

Der erste Löffel wanderte in die Futterluke...ja...da vermißte ich doch gleich etwas. Nicht am Geschmack als solches, der war wirklich gut, das Fleisch nicht zäh, das Gemüse nicht zerkocht wie in Omas Kohlsuppe, die einzelnen Zutaten geschmacklich noch unterscheidbar...nein, es fehlt eindeutig die SCHÄRFE! Obwohl ich das ganze schon als "richtig scharf" bestellt hatte, wollte die Schärfe da irgendwie nicht wirklich rauskommen. Okay, kein Problem, die nette (aber irgendwie etwas beunruhigt guckende) Kellnerin um ein Nachschärf-Set gebeten, was sie kurz darauf auch in Form einer ca. 50cm hohen Gewürzmühle mit getrockneten Chilis an den Tisch brachte.

Crunch...crunch...der Output der Mühle war etwas dünn für den vollen Chili-Genuß, und bevor ich mir eine Sehnenscheidenentzündung herbeidrehte, wurde doch einfach mal unbürokratisch der Deckel abgeschraubt und die Chiliflocken direkt auf den Teller gekippt. Nochmal probieren...gut, das würde der ein oder andere jetzt sicher schon als scharf bezeichnen (oder wären schon bei der für meinen Geschmack viel zu milden Ausgangsversion kaputtgegangen), hat ja auch durchaus schon eine gewisse Würze, aber irgendwie fehlte da einfach noch der Biß, dieser Chili-Flash, der die Nasen-Sekretion anregt, und so eine richtig schöne Feuerspur in den Magen zieht. Das arme Kellner-Mädel sah schon irgendwie etwas ratlos aus (vielleicht war's auch nur Angst), brachte dann aber zu meinem Erstaunen und Erfreuen ein kleines Tablett mit drei Schälchen. Im einen war eine Chilisauce (l.) (nicht scharf, schön süß-sauer-fruchtig), im zweiten getrocknete Chilis (m.) und im dritten frische Chilis (r., bereits geleert)! Das finde ich wirklich mal einen guten Service!
Hey, da geht doch mal was! Also gleich rein mit den Babys, ein bißchen durchziehen lassen und nochmal probieren...aaah! Jetzt kriegt das ganze mal etwas Feuer. Okay, noch ausbaufähig, aber dafür, daß das Tresznjewski eigentlich nicht auf scharfe Küche spezialisiert ist, ist das wirklich in Ordnung.

Das Tagesgericht schmeckte alles in allem einfach klasse; das Putenfleisch nicht zäh, das Gemüse war schön bißfest und die Austernsauce hatte einen hübschen, leichten Fisch-Touch. Der Reis hätte allerdings etwas heißer sein können, aber zu niedrige Temperatur auf der einen Seite läßt sich ja mit zusätzlichem Chili auf der anderen Seite wieder ausgleichen. Der Preis für das ganze ist angemessen und der Service war auch prima; Fazit : guad war's!

Shop : Brasserie Tresznjewski, Theresienstr. 72
WWW : www.tresznjewski.de
Location : Google Maps
Datum : 25.01.07 | 20:00 Uhr
Produkt : Today's Asia
Rating [0..10]
Qualität : 10
Ladenlokal : 8
Service : 9
Preis/Leistung : 9
GESAMTWERTUNG : 9.2

Tresznjewski - Theresienstraße 72

Die Tageskarte in der Brasserie Tresznjewski bot wie immer die Standards an: ein Wok-Gericht, experimentierfreudige Nudeln und das Ramen. Letzteres wurde gewählt: Teriyaki Beef & Tofu Ramen. Ein Ramen mag zwar eine Suppe sein, aber ist keinesfalls "bloß eine Suppe", die mit 9,20 EUR dann eher teuer anmuten würde. Der Hinweis in der Karte, dass es sich dabei um eine "traditionelle große japanische" Suppe handelt, ist weitestgehend treffend. Lediglich das erste Adjektiv ist nicht ganz präzise: Ramen ist noch nicht so lange in der japanischen Küche beheimatet. Erst mit der Meiji-Ära ab der Mitte des 19. Jahrhunderts fand sich das eigentlich chinesische Gericht auf der Insel wieder. Fleisch wurde bis dahin fast nicht in der japanischen Küche verwendet; Fisch, Meeresfrüchte und Gemüse dominierte.

Das Schlechte am Essen zuerst: Zum einen hätte das ganze Gericht um einiges heißer sein dürfen, denn der Verzehr dieser Menge von Suppe, Nudeln und Fleisch zieht sich immer in die Länge. Die letzten Löffelungen waren daher eher kühl, was das Essvergnügen untergräbt. Zum anderen waren die Udon-Nudeln überkocht und zu weich. Aber gut. Das Positive überwog wiedermal eindeutig. Das Rindfleisch war von guter Qualität, mit festem, nicht zähem Biss. Gleiches gilt für den Chinakohl, die Pilze und die Nori-Algen. Der Teriyaki-Geschmack war dezent im Hintergrund. Letztere waren aber eher spärlich vorhanden.

Das Ramen bestätigt ein weiteres Mal, dass sich im "Treszn" einfach solide essen kann.

Shop : Brasserie Tresznjewksi - Theresienstraße 72
WWW : http://www.tresznjewski.de/
Location : Google Maps
Datum : 25.01.07 | 20:00 Uhr
Produkt : Teriyaki Beef & Tofu Ramen: 9,20 EUR
Rating [0..10]
Qualität : 9
Ladenlokal : 9
Service : 8
Preis/Leistung : 8
GESAMTWERTUNG : 8.5

Samstag, 20. Januar 2007

Der kleine Chinese

Jaja, der "kleine Chinese"...einer der ungezählten Asia-Fast-Food-Läden in München, bei denen man auch mit etwas sparsamer gefülltem Portemonnaie sich noch ordentlich die Wampe vollhauen kann und sich trotzdem noch mit halbwegs reinem Gewissen sagen kann, daß das soeben gegessene immernoch gesünder und leichter war als der gute bayerische Schweinsbraten, auch wenn es geschmeckt hat, als ob man eine Kloschüssel am Hauptbahnhof ausgeschleckt hat. Oder?

Der Laden ist laut eigener Auskunft "Ein Bistro von Studenten für Studenten"; ersteres ist angesichts des häufig wechselnden Personals zwar nicht unglaubwürdig, andererseits liegt das Durchschnittsalter der Angestellten doch deutlich über dem des Durchschnittsstudenten, außer vielleicht eines solchen, der das ganze eher gemütlich angehen läßt und sich im 26.Semester dann langsam zu fragen beginnt, ob er nicht langsam mal das Vordiplom seines (zwischenzeitlich eingestellten) Studiengangs in Angriff nehmen sollte, bevor ihm Mami und Papi die Kohle kürzen.

Wie wir alle wissen, ist das studentische Budget natürlich stets beschränkt, und nach Abzug aller laufenden Kosten für Golf GTI, Kippen, Bier, Party, Urlaub, Spontanurlaub und Kurzurlaub bleibt auch dem klischeehaftesten Münchner BWL-Studi nicht mehr viel übrig, und er sucht nach einer bezahlbaren und eßbaren Alternative zu Tagesgericht I in der Mensa.
Natürlich kann ein Gastronomiebetrieb, der nicht von Vater Staat gesponsort wird, kein komplettes Essen für 1,00 EUR anbieten, ohne schonmal die Telefonnummer des Insolvenzverwalters in die Glückskekse zu packen.

Dennoch ist das Preisniveau des "kleinen Chinesen" nicht hoch angesetzt, für nur ca. 10 EUR bekommt man schon eine Vorspeise und ein Hauptgericht auf den nicht immer stabil stehenden Tisch, nachdem man dem unaufdringlichen - man könnte es auch etwas schweigsam nennen - Personal hinter der Theke seine Trink- und Essenwünsche diktiert hat.
Ein Pluspunkt beim "kleinen Chinesen" ist sicherlich die Zubereitung der Speisen, die nicht, wie bei einigen anderen Vertretern der Gattung "Asia-Fast-Food-Imbiß", mit dem großen Schöpflöffel aus einem lauwarmen Schweinetrog gefischt und auf mäßig sauberes Geschirr geklatscht werden, und aussehen (und manchmal auch schmecken), als ob sich ein Nilpferd mit Magen-Darm-Grippe auf dem Teller entleert hätte, sondern stets on-demand frisch gekocht werden - nicht ohne in der kleinen Küche einen veritablen Lärmpegel zu erzeugen.

Das Essen wird in der Regel auch recht zügig serviert, außer der Laden ist voll, dann kann es schon mal etwas länger dauern, aber verhungert ist man bis dahin nicht. Immerhin liegen (zumindest in der Filiale in der Schleißheimer Str.) immer einige Zeitungen aus (gut, Abendzeitung und tz sind vielleicht nicht gerade die bevorzugten Gazetten des Bildungsbürgers, aber okay), so daß man sich die Wartezeit subjektiv ein bißchen verkürzen kann.

Der "kleine Chinese" ist mittlerweile zu einer kleinen Kette herangewachsen, in München finden sich mittlerweile vier Filialen (Schleißheimer Str./Stiglmaierplatz, Fraunhoferstr., Weißenburger Str., Tal), die allerdings einen etwas unterschiedlichen Standard bezüglich des Ambientes haben. Die Filiale in der Weißenburger Str. beispielsweise ist schön sauber und mit ordentlichem Mobiliar versehen, während einem beim kleinen Chinesen am Stiglmaierplatz der stellenweise klebrige Linoleumboden schonmal etwas Widerstand entgegensetzt, oder die Bistrotische samt den dazugehörigen Barhockern gelegentlich mit Stabilitätsproblemen zu kämpfen haben - das ganze hat natürlich auch irgendwie seinen urigen Charme, so wie die alten D-Zug-Wägen der Deutschen Bahn, mit ihren stets leicht muffigen Abteilen, den arschfreundlichen Polstersesseln und dem kultigen Handrad zur Heizungsregelung - nicht luxuriös, aber irgendwie nett.
Das Personal ist zwar meist freundlich, hat aber, je nach Filiale, Tageszeit, Wochentag (weitere Parameter sind möglich) manchmal so seine Sprachprobleme, so daß man am besten nach Nummer bestellt.

Zum heutigen Essen, Mie Goreng.

Als erstes fällt auf, daß, im Vergleich zu früheren Besuchen, die Gabel nicht mehr wie das Excalibur-Schwert in die dampfende Masse gerammt wird, auf daß der Gast der Auserwählte sein möge, der das Freßwerkzeug herausziehen kann, sondern schön separat inclusive einer Papierserviette geliefert wird. Nett. Das nächste, das ins Auge sticht, ist die ordentliche Portion Essen, die sich da auf dem dafür fast etwas unterdimensionerten Teller häuft; für den kleinen Hunger sind jedenfalls die Hauptgerichte beim "kleinen Chinesen" deutlich zu groß, hat man ordentlich Kohldampf, ist das natürlich eine super Sache.

Die Testphase beginnt. Das Essen ist zwar nicht wahnsinnig heiß, aber das ist angesichts des gut gefüllten Sambal-Oelek-Topfes, der zusammen mit einer Flasche Sojasauce auf jedem Tisch steht, auch nicht so tragisch. Die Nudeln haben die subjektiv richtige Konsistenz, das Hühnerfleisch ist leicht angebraten, das Gemüse ist knackig, die Sauce hat einen angenehm säuerlichen Touch. Mal ein bißchen Sambal-Oelek drüber geben...naja, auf meiner persönlichen Chili-Schärfe-Skala von 0 bis 11 (wobei 0 "Gut für Babynahrung" und 11 "Nicht mehr eßbar" ist) rangiert Sambal Oelek ohnehin nur bei ca. 1-2, andere Varianten wie Sambal Badjak auch schon mal bei 3, also spare ich mir mal eine wertende Aussage darüber, für die meisten Gäste reicht's aber wahrscheinlich.

Die genauen Inhaltsstoffe des Futterberges auf dem Teller kann man natürlich nicht mehr wirklich exakt identifizieren; ob das Fleisch von fröhlichen Biohühnern stammt, die auf Biobauer Horsts Hof herumrennen und denen dann liebevoll der Hals rumgedreht wird, oder ob es sich um konventionell gezüchtete Viecher handelte, denen am Doomsday weniger liebevoll die Rübe in der vollautomatischen Kreissäge abgesäbelt wurde, weiß ich nicht, wahrscheinlich letzteres, schmecken tut's jedenfalls, denau wie die Gemüsebestandteile auf dem Teller. Das Zeug ist meinem Geschmack nach ordentlich verarbeitet worden und der große weiße Eimer aus Hoechst, Leverkusen oder Holzminden ist allenfalls nur sehr sparsam eingesetzt worden; der Geschmack des ganzen Essens ist wirklich in Ordnung.

Nach dem Leeressen des Tellers darf man die konsumierten Speisen und Getränke dann bezahlen; eines kann man jetzt schon sagen : man bekommt was für's Geld; 5 EUR und ein paar Zerquetschte sind für das Mie Goreng, zumal in dieser Menge, wirklich nicht zuviel; ebenso bewegen sich die anderen Gerichte auf der reichhaltigen Speisekarte im eingangs erwähnten studentenfreundlichen Preisrahmen, denn auf dem (nicht existenten) Mensa-Kassenbon steht, je nach gewähltem Tagesgericht und Beilage natürlich, auch keine wesentlich höhere Summe.

Fazit : Natürlich kann man für das Geld keinen Gourmet-Tempel mit Pinguin erwarten, der einem vornehm näselnd und versonnen am extrahierten Korken schnüffelnd einen 1996er Château Tour Eiffel ins Riedel-Glas gießt, während man die Austern vom Rosenthal-Porzellan schlabbert, und als Location mit Candle-Light-Dinner-Ambiente mit plüschigen Sitzecken, Stoffservietten, Kerzenschein und Pianisten, das aus dem Kneipen-Aufenthalt einen romantischen Abend mit der/dem Liebsten macht, würde ich den "kleinen Chinesen" auch nicht gerade empfehlen. Aber für den schnellen (und nicht zu kleinen) Hunger auf ordentliches und reichhaltiges asiatisches Essen, das frisch zubereitet wird, preiswert ist und einem nicht schon vom Anblick den Darm verknotet, ist der "kleine Chinese" eine gute Anlaufstelle, nicht nur für Studenten.

Lokal : "Der Kleine Chinese", Filiale Schleißheimer Str.
WWW : www.der-kleine-chinese.de
Location : Google Maps
Datum : 19.01.07 | 17:00 Uhr
Produkt : Mie Goreng; ca. 5,50 EUR
Rating [0..10]
Essen : 6
Lokal : 4
Service : 5
Preis/Leistung : 9
GESAMTWERTUNG : 6.0